Karolina Maria Kowol

ASSOZIIERTE DOKTORANDIN

Postanschrift:

Universität des Saarlandes

Campus A2 2, Raum 0.12.2

66123 Saarbrücken

  

 

 

 

Karolina Kowol studierte an der Universität des Saarlandes Spanisch und Französisch. Ihr Studium schloss sie 2019 mit dem Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen ab. Im Rahmen ihres Studiums absolvierte sie Studienaufenthalte in Spanien und Frankreich sowie Auslandspraktika in Luxemburg und Belgien.

Seit März 2020 ist Karolina Kowol assoziierte Doktorandin im Graduiertenkolleg “Europäische Traumkulturen” mit einem Promotionsprojekt zum Thema Traum und Zeiterfahrung in Verbindung mit der historischen Erinnerung in der spanischen Gegenwartsliteratur.

 

    • Spanische Gegenwartsliteratur
    • Zeit- und Raumtheorien
    • Zeit(erfahrung) im Traum
    • Memoria
    • (Neue) Phänomenologie 

     

    Aporie der Traumzeit: Phänomenologie und Zeiterfahrung in den Romanen von Rafael Chirbes

     

    Die Romane von Rafael Chirbes können als bedeutende Erinnerungswerke betrachtet werden, die die spanische Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts vom Bürgerkrieg bis hin zur spanischen Krise der Gegenwart kritisch reflektieren. Erinnerung und Zeit sowie die resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit das Zeitvergehen aufzuhalten, sind zentrale Motive in den Romanen von Chirbes. Er schreibt mühsam gegen das Zeitverrinnen und Vergessen an und findet dabei einen Weg, sowohl individuelle als auch kollektive Erinnerungen in das Bewusstsein des heutigen Spaniens zurückzuholen. In jedem Roman wird ein anderes historisches Ereignis in den Vordergrund gerückt, das stets mit individuellen Erinnerungen vielzähliger Figuren verknüpft wird. Durch diese Multiperspektivität zeichnet Chirbes mehrere Fragmente, die am Ende ein generationenübergreifendes Gesamtbild einer resignierten Gesellschaft porträtieren. Hierfür bedient sich Chirbes der Anachronie, die eine Dekodierung der Vergangenheit über mehrere Jahrzehnte hinweg erlaubt während sich die „erzählte Zeit“ auf eine sehr kurze Zeitspanne rafft. Dieser Fragmentcharakter und der Anachronismus, die den Romanen von Rafael Chirbes inhärent sind, werden durch die narrative Darstellung von Träumen potenziert. Der Traum ist prädestiniert dafür, Erinnerungen einen Raum zu bieten. Da er wie sie per se "zeitlos" und somit nicht an eine chronologische Zeit oder an Räume gebunden ist, schafft der Traum einen neuen „Zeit-Raum“. Diesen „Zeit-Raum“ lädt Chirbes vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse im Spanien des 20. und 21. Jahrhunderts mit individuellen und kollektiven Geschichten und Erinnerungen auf und verknüpft diese miteinander.

    Das Dissertationsvorhaben widmet sich folgender Fragestellung: Wie wird Zeit im Traum in den Romanen von Rafael Chirbes in Verbindung mit der spanischen Geschichte erfahren und welche narrativen Muster verwendet der Autor, um das individuelle und kollektive Zeitbewusstsein der Figuren im Traum auf narrativer Ebene widerzuspiegeln? In einem zweiten Schritt soll das triangulative Zusammenwirken der Zeit(erfahrung) der Traumwelt, Wachwelt sowie der erinnerten historischen Zeit untersucht werden. Dabei soll geklärt werden, welche Funktion der Traum, der den Erinnerungen Raum und Gehör verschafft, bei individuellen und kollektiven Vergegenwärtigungs- und Aufarbeitungsprozessen übernimmt. Ein phänomenologischer Zugriff soll die Beantwortung dieser Fragestellung erlauben. Denn die Phänomenologie fragt nicht nach dem Was, dem logos ihres Untersuchungsgegenstandes, sondern nach dem Wie. Relevant ist also nicht die Frage was Zeit ist, sondern wie sie erfahren wird, wie sie erscheint. Der Ort dieses Erscheinens ist laut Edmund Husserl, dem Begründer der philosophischen Strömung der Phänomenologie, nur im Inneren, im Bewusstsein auszumachen.

    Die Werke Phänomenologie des inneren Zeitbewußtseins von Edmund Husserl sowie Phänomenologie der Zeit von Hermann Schmitz, dem Begründer der sogenannten "neuen Phänomenologie", sollen unter anderem als theoretische Basis dienen.