Hanna Matthies

ASSOZIIERTE DOKTORANDIN

 

Universität des Saarlandes

Campus A2 2

66123 Saarbrücken

 

E-Mail h.matthies(at)mx.uni-saarland.de

 

http://www.uni-saarland.de/lehrstuhl/solte-gresser/lehrstuhl/mitarbeiter.html

Hanna Matthies wurde 1986 in Göttingen geboren und studierte an den Universitäten Saar­brücken und Metz deutsch-französische Studien und all­gemeine und ver­gleichende Literatur­wissenschaft. Ihr Studium schloss sie 2014 mit dem Master ab. Von Sep­tember 2014 bis Juni 2015 war sie Sprach­assistentin an der deutschen Ab­teilung der Universität Miguel Delibes in Valladolid (Spanien).  

 

Seit Oktober 2015 ist sie wissen­schaftliche Mit­arbeiterin am Lehr­stuhl von Prof. Dr. Christiane Solte-Gresser und assoziierte Doktorandin im Graduierten­kolleg.  

  • Deutschsprachige und französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts
  • Literatur und Philosophie
  • Film und Literatur

     

    Vom Erwachsensein erzählen: Literarische Perspektiven auf Autonomie und ihre Grenzen (Arbeitstitel)

     

    Will man das Erwachsensein definieren, so kommt man je nach disziplinärem Blickwinkel zu unterschiedlichen Ergebnissen. Man kann von biologischen Entwicklungsschritten sprechen, die abgeschlossen sein müssen, von Reifegraden im Verhalten und in der psychischen Entwicklung, von Rechten und Pflichten und von Mündigkeit. Hierbei handelt es sich immer um Kategorisierungen, die Grenzen setzen, die entweder überschritten sein müssen oder keinesfalls überschritten werden dürfen.

     

    Ziel des Forschungsprojektes ist es, diese Kategorisierungen aufzubrechen und zu hinterfragen. Dazu werden Denkansätze von Michel Foucault und Judith Butler auf das Erwachsensein bezogen, wodurch es sich als beweglicher und tendenziell instabiler Prozess beschreiben lässt, der von Kategorien stabilisiert und normiert, nicht aber essentiell erfasst wird. Literatur hat besonders vielfältige Möglichkeiten, sich mit diesen Kategorien auseinanderzusetzen. Sie kann sie fortschreiben, aufbrechen oder neuschreiben. Die Arbeit befindet sich also auf der Schwelle zwischen Literaturwissenschaft und Philosophie.

     

    Eine solche Schwelle bildet auch den Ausgangspunkt des Projekts, nämlich Max Horkheimers und Theodor Adornos Überlegungen zu Odysseus, der sich am Mast seines Schiffes festbinden lässt, um dem bezaubernden Gesang der Sirenen lauschen zu können, ohne ihm zu verfallen. Adorno und Horkheimer beschreiben ihn als ziel- und zweckgerichteten autonomen Erwachsenen, der gleichzeitig regrediert ist. Denn er ist – festgebunden am Mast – von den Handlungen seiner Gefährten abhängig. In diesem mythologischen Bild kondensiert sich ein Grundkonflikt des Erwachsenseins, der sich als Spagat zwischen Möglichkeiten individueller Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit und der Einbindung in soziale Konventionen, persönliche Prägungen und Hierarchien beschreiben lässt.

     

    Im Zentrum des Projekts stehen vier englisch-, französisch- und deutschsprachige zeitgenössische Romane, deren erwachsene Protagonisten im Laufe der Handlung in kindliche Verhaltensweisen verfallen bzw. regredieren. Die Konstellation ähnelt also der des Odysseus. Allerdings fragt sich, ob seine Lösung des erwachsenen Dilemmas, nämlich das Erhalten erwachsener Individualität durch die Akzeptanz sozialer Unmündigkeit, der einzig gangbare Weg ist oder ob die Romane andere Modelle des Erwachsenseins entwerfen. Dieser Grundkonflikt kondensiert sich in erzählten Träumen: In privaten Traumbildern der Protagonisten spiegelt sich immer ihre soziale Einbindung und andersherum ist das Soziale vom Persönlichen gestaltet. Doch können nicht gerade die Träume aufgrund ihres imaginativen Potenzials über das Dilemma des Odysseus hinausweisen? Diese Überlegung weist schließlich zurück zu den Möglichkeiten und Grenzen des literarischen Erzählens insgesamt und zu der Frage, was Literatur mit ihren spezifischen Möglichkeiten über die Kategorisierungen des Erwachsenseins zu sagen hat.

     

     

     

     

     

     

    Aufsätze

    Widerständige Zeichen in Lutz Seilers Kruso und Margaret Atwoods The Handmaid’s Tale: Zum subversiven Potenzial von Schreiben und Schrift innerhalb totalitärer Staatsstrukturen. In: Monika Schmitz-Emans, Linda Simonis u. Simone Sauer-Kretschmer (Hrsg.): Schrift und Graphisches im Vergleich. Bielefeld: Aisthesis. [im Druck].

     

    Patricia Dunckers literarische Auseinandersetzung mit Michel Foucaults Theorien in Hallucinating Foucault. In: Christiane Solte-Gresser u. Manfred Schmeling (Hrsg.): Raconter la théorie. Narrating Theory. Erzählte Theorie. Thematische, strukturelle und metareflexive Dimensionen fiktionalisierter Literaturtheorie im Roman. Würzburg: Königshausen und Neumann 2016, S. 259-270.

     

    Rezension

    Begriff – Konzept – Lebensraum? Aktuelle Ansätze zum Naturverständnis in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Rezension zu Aurélie Choné, Isabelle Hajek u. Philippe Hamman (Hrsg.): Guide des Humanités environnementales. Paris: Septentrion 2016. In: Manfred Engel, Bernard Dieterle u. Monika Ritzer (Hrsg.): Kulturpoetik (2016), H. 5 S. 281-283.

     

    Referat

    Kurzreferat zu: Eggers, Michael: Vergleichendes Erkennen. Zur Wissenschaftsgeschichte und Epistemologie des Vergleichs und zur Genealogie der Komparatistik. Heidelberg: Winter, 2016. In: Germanistik (2018), H. 58 S. 778, im Druck.

    März 2018

    Vortrag auf der internationalen Tagung »Träume von Geburt und Tod. Traumdarstellungen körperlicher Grenzerfahrungen in Literatur, bildender Kunst, Theater, Musik und Film«, 21. bis 23. März 2018 an der Universität des Saarlandes; Vortragstitel: »Der Traum als ›dritter Weg‹?: Überlegungen zu literarischen Träumen und ihrem Wissen vom Tod«

     

    Juni 2017

    Vortrag auf der XVII. Tagung der DGAVL »Schrift und Graphisches im Vergleich« , 06. bis 09. Juni 2017 an der Ruhr-Universität Bochum; Vortragstitel: »Vergeblichkeit des Schreibens? Verbindungslinien zwischen persönlichen und kollektiven Traumata durch Schrift, Sprechen und Schreiben in Lutz Seilers Roman Kruso

     

    November 2014

    Einführung zu Lewis Milestones Verfilmung von Erich Maria Remarques Roman »Im Westen nichts Neues« an der Universität Miguel Delibes, Valladolid, Spanien

     
    WiSe 2018/2019

    DDR in der Literatur - Literatur in der DDR mit einem Schwerpunkt auf Traumdarstellungen

     

    SoSe 2018

    Tragödien damals und heute: Gattungstheorie und literarische Praxis

     

    WiSe 2017/2018

    Bewegung und Begegnung: Konfrontationen mit Fremdheit in Romanen

     

    SoSe 2017

    Freundschaft – literaturtheoretisch

     

    WiSe 2016/2017

    Gefängnisräume in Literatur und Film

     

    SoSe 2016

    Alte Kinder und jugendliche Alte? Diskurse des Alterns aus literaturgeschichtlicher Perspektive

     

    WiSe 2015/2016

    (Erzähl-)Welten der literarischen Moderne

     

    SoSe 2015

    Konversationskurs französisch für Studierende der französischen Abteilung der Universität Miguel Delibes, Valladolid, Spanien

     

    »Einführung in die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts« für Studierende der deutschen Abteilung der Universität Miguel Delibes, Valladolid, Spanien, zusammen mit Dr. Sabine Geck

     

    WiSe 2014/2015

    Konversationskurs deutsch für Studierende der Universität Miguel Delibes, Valladolid, Spanien

     

    Unterrichtseinheit über Erzählungen von ETA Hoffmann im Rahmen der »Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts« für Studierende der deutschen Abteilung der Universität Miguel Delibes, Valladolid, Spanien

     

    WiSe 2013/2014

    Tutorium zur Leselistenprüfung »Eine Literaturgeschichte der Liebe«