Nadja Görz

DOKTORANDIN

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Nadja Görz studierte Kunstgeschichte und Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und an der Libera Università di Lingue e Communicazione, Mailand sowie Philosophie an der Cusanus Hochschule, Bernkastel-Kues. Dort arbeitete sie von Oktober 2016 bis März 2018 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie.

 

Seit April 2018 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Graduiertenkolleg »Europäische Traumkulturen« und arbeitet an einem Promotionsprojekt über die Traumpoetik des englischen Romantikers William Blake.

 

    • Kunst und Transzendenz: Wechselbeziehungen von ästhetischer und geistiger Erfahrung
    • Philosophie der europäischen Spiritualität sowie deren kulturhistorische Formen
    • Bildtheorien

     

     

    The Sleeping Humanity of Albion. Der Traum als ontologische Kritik des menschlichen Falls bei William Blake

     

     

    Das dichterische und künstlerische Werk William Blakes (1757-1827) entwickelt in einem groß angelegten Versuch eine komplexe Mythologie, die auf kosmogonische und schöpfungstheologische Fragen eigene Antworten findet. In einem Oszillieren zwischen Ästhetik und Metaphysik widmet sich Blake gänzlich der künstlerischen, psychologischen und spirituellen Erkenntnisgewinnung, für die er Träume, Visionen, Phantasien und spirituelle Erfahrungen im Sinne einer intuitiven Imagination produktiv macht und nachdrücklich auf die Realitätsträchtigkeit dieser Erlebnisbereiche hinweist. Die zentrale philosophische Ausgangsfrage des Dissertationsprojektes bedient sich der Traum=Leben-Metapher, der im literarischen Werk Blakes nachgegangen, und die mittels einer medienästhetischen Untersuchung beschrieben werden soll, um Einsichten in den von Blake angenommenen Realitätsstatus des Traums und in seine Funktion zu gewinnen.

     

    Für Blake ist Albion der archetypische »Real Human«, der sich von der »Eternal Great Humanity Divine« abtrennt und folglich in der Leere und Unvollkommenheit außerhalb der ursprünglichen Existenz steht. Da er sich dieses Umstandes aber nicht mehr bewusst ist, ist es nun sein höheres Potential, das für ihn nicht mehr greifbar ist. Dieser Umstand wird von Blake in der Figur des ewigen einen, aber in den Schlaf gefallenen ersten Menschen metaphorisiert. Der Menschenschöpfer Albion steht also für die dualistische Spaltung des Menschen. Der Arbeitstitel des Forschungsprojekts rekurriert auf diesen Schlaf der gesamten Menschheit, dessen tödliche Träume die Schöpfungen der materiellen Welt hervorbringen. Diesem albionischen Traumzustand eines Universums der Trennung verleiht Blake in seinen düster-bunten Bild-Welten einen drastischen Ausdruck. Die Darstellung existentieller menschlicher Gemütszustände - häufig im nächtlichen oder dunkel opaken, dann wieder geisterhaften Ambiente - wird symbolisch aufgeladen und allzu oft gesellen sich nachtaktive Tiere oder Phantasiegestalten zu den erregungslosen oder verzweifelten Figuren. Insgesamt erweckt die Bildwelt Blakes den Eindruck einer anderen Wirklichkeit.

     

    Mit dem Fall des ersten Menschen in den unbewussten Schlaf stellt Blake die Frage nach dem Realitätsstatus dieser Welt, die - in der beschriebenen Metapher begriffen - auf einer gewaltsamen, aber illusionären, eben traumhaften (Ab-)Spaltung vom Göttlichen basiert. Das Wieder-Erwachen aus diesem Traum - so lautet meine erste Arbeitshypothese - ist Blakes zentrales spirituell-künstlerisches Anliegen. Der kreative Prozess fördert für Blake die Einsichtsgewinnung in die Scheinhaftigkeit der menschlichen Welt als traumhaften Zustand des Nicht-Wissens um die Einheit mit der Ewigkeit. Das Durschauen dieses Traums, durch ein Sehen der ungeteilten Realität und ein Eins-Werden mit ihr in der Erfahrung führt den Menschen zurück zu seinem Ursprung vor seinem Fall. Die Kunst dient Blake dabei als ein Medium zur Rückgewinnung der göttlichen Vision und damit zur Aufhebung der menschlichen Desintegration des Traumbewusstseins. An diese epistemologische Funktion von Kunst anschließend möchte ich fragen, welche Stellung das Traumwissen in dem bei Blake angelegten geistigen Erweckungsprozess einnimmt, und wie sich der Denker die Transzendierung der Bewusstseinssphären vorstellt.

     

    In einem zweiten methodischen Schritt richtet sich dieser Fragenzusammenhang an Blakes bildpoetisches Werk, in dem die Beziehungen unterschiedlicher Realitätsebenen und alternativer Bewusstseinszustände thematisiert werden. Wie wird Traumhaftigkeit sprachlich, wie visuell, wie im transmedialen Wechselverhältnis beschrieben? Die medienübergreifende Kunst Blakes, die seine eigene Dichtung zu Schrift-Bildern verschränkt, bietet sich hierfür in exemplarischer Weise an. Diese für Blake typische künstlerische Praxis erlaubt es, visuelle und textliche Darstellungs- und Erzählstrategien des Traums miteinander zu vergleichen, sowie innerhalb der Bilder das ästhetische Zusammenspiel von Schrift und Bild zu untersuchen.

     

     

     

     

    Mai 2017

    Vortrag  im Literaturcafé Libresso, Köln; Vortragstitel: »Scheitern als Vollendung? - Zum non finito Michelangelos«

     

    SoSe 2018

    BA-Seminare »Einführung Philosophie« und »Kunst als Selbst- und Wirklichkeitsgestaltung«

     
    WiSe 2017/2018

    BA-Seminare »Einführung Philosophie« und »Phänomenologie - Methoden des Wahrnehmens«

     
    SoSe 2017

    BA-Seminare »Einführung Philosophie« und »Kunst als Selbst- und Wirklichkeitsgestaltung«

     

    WiSe 2016/2017

    BA-Seminare »Einführung Philosophie« und »Phänomenologie - Methoden des Wahrnehmens«