Evelina Molitor

DOKTORANDIN

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Evelina Molitor studierte von 2005 bis 2008 im Bachelor Übersetzung an der Ostukrainischen Nationalen Dahl Universität in Lugansk, Ukraine mit den Schwerpunkten literarisches sowie synchrones Übersetzen aus dem Englischen ins Russische. Auf einen erfolgreichen Abschluss im Fach Übersetzen folgte ein Magisterstudium an der Universität Trier im Fach Slavistik, welches im Jahr 2015 mit einer Magisterarbeit zum Thema Initiation in den ausgewählten Werken Viktor Pelevins abgeschlossen wurde. Ihr zusätzliches Interesse am Weinbau trieb sie dazu an, 2011 eine Winzerausbildung zu beginnen, welche sie 2013 erfolgreich abschließen konnte.

 

Direkt aus der Elternzeit kommend ist  Evelina Molitor seit April 2018 als Doktorandin im Graduiertenkolleg »Europäische Traumkulturen« mit einem Promotionsprojekt zum Thema Traum bei Pelevin angestellt.

    • Untersuchung der Traumwelten im russischen Postmodernen Text
    • Initiationsthematik
    • Grenzerfahrungen
    • Tod und Wiedergeburt

     

     

    Transgression zwischen den Alternativwelten oder fiktionales Spiel mit dem Leser? - Pelevins Romane an der fragilen Grenze des Realen und Traumhaften

     

     

    »Poslednim, čto ja uvidel pered tem, kak okončatel'no provalit'sja v černuju jamu bespamjatstva, byla pokrytaja snegom rešetka bul'vara« (ČiP 43 »Das Letzte, was ich vor mir sah, eher ich endgültig in die schwarze Grube der Besinnungslosigkeit hinabfuhr, war das schneebedeckte Gitter der Straßenbegrenzung – während das Auto wendete, erschien es ganz dicht vor dem Fenster«). Der erste Sprung in Viktor Pelevins Roman Čapaev i Pustota in die scheinbar andere Realität mittels eines Traums teilt die Geschehnisse in zwei parallele Stränge auf und geleitet den Leser zum Kern des Romans – eben dem Traum. Am Anfang des Romans weckt das abrupte Wechseln zwischen »Traum« und »Wirklichkeit« der zwanziger und neunziger Jahre zunächst den Eindruck, als wäre die letztere Welt die wirkliche Realität im Gegensatz zur von einer kranken Psyche konstruierten ersteren. Zwanghaft sucht der Leser Halt in dem Schwindel erzeugenden Pendeln zwischen Schlafen bzw. Träumen und der – scheinbaren – Wachwelt des Helden und vermutet, dass der Protagonist aus der Gegenwart der neunziger Jahre in Erinnerungen und Träumen die Vergangenheit der zwanziger Jahre erlebt. Doch das Spiel mit Realitäten kulminiert am Ende in der Auflösung beider Welten, da der Protagonist Petr Pustota als sein endgültiges Ziel die Leere findet.

     

    Pelevins literarische Texte enthalten eine Fülle von Traum-Motiven, deren Spannweite von der Halluzination über Drogenrausch bis hin zu den ›Himmelfahrten‹ reicht, und sind formal durch traumhafte Schreibweisen geprägt. Dabei referiert der Autor auf psychologisches, anthropologisches und auch religiöses Wissen.

     

    Der Traum ist ein wichtiger Schlüssel zum Sinn und bildet auch die ästhetische Struktur des Romans. Doch in der Traumwelt findet der Held nicht immer den Weg zur Selbsterkenntnis. Nicht im Traum, sondern in der Scheinrealität der neunziger Jahre wird Pustota über die drei Erkenntnisse der Nicht- Zeit, Nicht-Ort und Nicht-Ich sein endgültiges Initiationszeil erreichen.

     

    Wir können feststellen, dass der Traum als kulturgeschichtliches und medienästhetisches Phänomen bislang nur eine periphere Rolle gespielt hat und noch nie im Fokus einer Monographie gestanden hat. So ist das Ziel dieser überwiegend strukturalistischen Analyse das Phänomen des Traums in Pelevins Werks zu untersuchen. Als Grundlage dient das Campbellsche Monomythos Modell, das je nach Werk verkürzt oder erweitert werden kann und synthetisiert mythisches, literarisches, religiöses und psychologisches Wissen. So wird auch das vorliegende Dissertationsprojekt sich mit der Synthese dieser unterschiedlichen Forschungsbereiche und ihrer Wiederspiegeung in den Romanen Pelevins befassen. Den Textkorpus bilden fünf Romane Čapaev i Pustota, T, Empire V, Batman Apollo und iPhuck. Dazu kommt die Analyse von Semantik und Syntax der Traumstrukturen wie auch des kultur-geschichtlichen Kontexts in welchen die Werke eingebettet sind.