Raphael Morschett

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Raphael Morschett wurde 1992 in Saarbrücken geboren und studierte Englisch und Philosophie an der Universität des Saarlandes. Seinen Master schloss er 2016 mit einer Arbeit zum Thema »A linguistic analysis of verbal humor in Annie Hall« ab.

 

Seit April 2018 ist Raphael Morschett Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Graduiertenkolleg »Europäische Traumkulturen« und beschäftigt sich in seiner Dissertation mit der Traumerfahrung in den Filmen David Lynchs.

 

    • Film-Phänomenologie und Film-Philosophie
    • Phänomenologie des Träumens
    • Amerikanischer Film
    • Surrealismus im Film

     

     

    »Watch and listen to the dream of time and space« ̶  Zur Traumerfahrung in den Filmen David Lynchs

     

     

     

    Laut Definition des Oxford English Dictionary beschreibt das Adjektiv »Lynchian« eine »traumartige Qualität des Mysteriums oder der Bedrohung«. Die Filme des amerikanischen Regisseurs David Lynch weisen sowohl markierte und unmarkierte Traumdarstellungen als auch eine umfassendere Traumartigkeit auf. Ausgehend von dieser Beobachtung stellt sich die Frage, (1) wozu der Traum überhaupt noch gebraucht wird, wenn Lynchs Kino bereits seiner Natur nach ›traumartig‹ ist; weiterhin, (2) worin diese Traumartigkeit überhaupt besteht; und, (3) ob (bzw. inwiefern) einzelne Traumsequenzen und eine umfassendere Traumartigkeit zusammenhängen.

     

    Eine Besonderheit bezüglich der Methodik der Arbeit stellt dar, dass die Subjektivität der Filmerfahrung aus dem Analyseprozess nicht ausgeschlossen, sondern bewusst mit aufgenommen und thematisiert wird. Dieser Teil des methodischen Ansatzes fußt auf Sobchaks (1992, 2004) Film-Phänomenologie, in der sie, im Rückgriff auf Merleau-Ponty, beobachtet, wie das menschliche Sehen das filmische Sehen überhaupt erst ermöglicht und strukturell prägt. »The cinema exists as a visible performance of the perceptive and expressive structure of the lived-body experience« (Sobchak 1992, S. 299). Insofern nicht nur der Mensch der Erfahrung (verstanden als Umkehrbarkeitsrelation zwischen Wahrnehmung und Ausdruck) fähig ist, sondern auch der Film selbst Wahrnehmung performativ zum Ausdruck bringt, besteht die Möglichkeit, dass eine subjektive Beschreibung „meiner“ Erfahrung den Film und den Ausdruck von Erfahrung, der er ist, erhellt; und zwar genau dann, wenn es der Analyse gelingt, »mein« individuelles Filmerleben an den existentiellen Erfahrungshorizont zu koppeln, der intersubjektiv (dem Film und den Zuschauenden) zugänglich ist und ein individuelles Erleben überhaupt erst möglich macht. Eher als den Aufmerksamkeitsmittelpunkt stellt meine Erfahrung also den Ausgangspunkt dar, um in der Analyse zu strukturellen Aspekten der Film-Zuschauer-Interaktion hervorzudringen. In diesem Sinne geht es gar nicht so sehr um (m)ein persönliches Erleben der Filme, sondern, was die Analyse der subjektiven Modalität des filmischen Sehens anhand »meines« subjektiven Sehens betrifft, um die Aspekte »meiner« Erfahrung, die ich mit allen sehenden Menschen teile.

     

    Die phänomenologische Dimension wird also (zusätzlich zur narratologischen) mit in die Analyse aufgenommen; allerdings nicht so sehr aus theoretischen Gründen oder als Zweck an sich selbst, sondern weil eine Konfrontation mit der präreflektiv-sinnlichen Ebene durch die Filme selbst gefordert wird – oftmals verweigern sie eine kognitive Aufschlüsselung, in dem sie systematisch auf (ontologische) Uneindeutigkeit angelegt sind – und speziell vom Traum, dessen »formale Experimentierfreude« (Brütsch 2011, S. 235) den Zuschauer wohl auch auf der sinnlichen Ebene besonders affiziert. Hierbei stellt sich die Frage, ob die oft postulierte Nähe von Traum und Film weniger in einer Traumverwandtschaft des Mediums an sich besteht als darin, dass der Film den Traum auf besonders sinnliche Weise erfahrbar machen kann; unabhängig davon, ob der Filmeindruck einen Aspekt des Traumerlebens imitiert oder ob der ›traumartige Effekt‹ auf die Zuschauenden ein gänzlich konstruierter und somit das Ergebnis einer sinnlichen (nicht-traumspezifischen) Intensität der Filmerfahrung sein kann. Jedenfalls zeugen Lynchs Filme von einem enormen Interesse an dem Traum als Erfahrungszustand. Sie nutzen für die Erzeugung von Traumartigkeit eine Kombination aus (a) mimetischen Strategien, wenn beispielsweise in Absurd Encounter with Fear (1967) auf präreflektiver Ebene ein Doppelbezug zwischen Zuschauerin (als Agierende und Beobachtende zugleich) und Filmgeschehen etabliert wird; und (b) nicht-mimetischen Strategien, z.B. in Twin Peaks (1990-91; Ep. 3), wo ›paradoxe (Sprech-)Bewegungen‹ die andere Zeitlichkeit des Traums charakterisieren. Bezüglich einer Theoretisierung des Traumhaften im Film strebt die Arbeit eine Spezifizierung aus wahrnehmungs- bzw. erfahrungstheoretischer Perspektive an.

     

    Eine meiner Hypothesen ist, dass der Traum bei Lynch nicht nur die Hierarchie diegetischer Ebenen hinterfragen kann (z.B. in Lost Highway (1997) und Mulholland Drive (2001)), sondern auch die Hierarchie von Sinnesmodalitäten, wenn beispielsweise der mittellange Film The Grandmother (1970) durch die Betonung der materiellen Ebene des Traumerlebens die Vorherrschaft der visuellen Wahrnehmung über die anderen Sinne untergräbt. Weiterhin steht zur Debatte, inwiefern der Traum als Spielraum fungiert, in dem grundlegende »Wahrnehmungsautomatismen« (Schklowski 1994, zitiert in Heiland 2013, S. 149) und Erfahrungsmuster des Zuschauers auf die Probe stellt, hinterfragt und neu geordnet werden, und inwieweit diese Problematisierung das Fundament für eine weiter gefasste Wissensverweigerung der Träume und Traumstrukturen darstellt. Der Traum könnte demnach eine prototypische Erfahrung einer Andersartigkeit bieten, die sich sowohl auf die natürliche Wachwahrnehmung unserer nicht-filmischen Umwelt als auch auf konventionalisierte (und somit in gewisser Weise naturalisierte) Wahrnehmungsmechanismen des Films bezieht.

     

     

     

     

    Ankerstein, Carrie A. & Morschett, Raphael: Do you hear what I hear?: a comparison of phoneme perception in native and Saarlandian German nonnative speakers of English. In: Saarland Working Papers in Linguistics 4 (2013): 01-08. Volltext:http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2013/5594/.

     
     
    September 2019

    Vortrag im Rahmen des 26. Germanistentags zum Thema »Zeit«; Vortragstitel: »Through the darkness of future past« – Zeit- und Traumerfahrung in Twin Peaks; Universität des Saarlandes

     
    Mai 2019

    Einführungsvortrag im Rahmen der Filmreihe »Traumschau II« zu Twin Peaks – Fire Walk with Me (1992) im Kino 8 ½, Saarbrücken.

     
    November 2018

    Vortrag im Rahmen der Vorlesungsreihe »Erfolg in Serie – Amerikanische TV-Serien als Gesellschaftsdramen« zu Twin Peaks (2017) im Kino 8 ½, Saarbrücken.

     

    Oktober 2017

    Vortrag im Rahmen der Tagung »Reading American TV-Series – An Interdisciplinary Conference«; Vortragstitel: »A Phenomenological Approach to Dreaming in Twin Peaks«; Universität des Saarlandes
     

    April 2014

    Posterpräsentation im Rahmen der Spring School »Individual-centered Approaches to Speech Processing«; Poster: »German Learners' Perception and Production of English Consonant Phonemes«; Universität des Saarlandes

     

    Mai 2019

    Organisation der Filmreihe »Traumschau II« im Kino 8 ½ (gemeinsam mit Nicole Häffner und Myriam Gindorf) 

     
    November / Dezember 2017

    Forschungsstipendium »GradUS global« (DAAD), wahrgenommen an der Queen Mary University of London (QMUL)