Christian Quintes

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Christian Quintes wurde 1985 in Merzig ge­boren, wo er 2005 das Abitur ablegte. Nach an­schließendem Wehr­dienst in Hermes­keil und Tauber­bischofs­heim studierte er Ger­manistik, Ge­schichte und Philo­sophie an der Universität des Saarlandes in Saar­brücken. Das Studium schloss er 2014 mit dem Ersten Staats­examen für das Lehr­amt an Gymnasien und Gesamt­schulen (Deutsch und Geschichte) ab.  

 

Von April 2015 bis März 2018 arbeitete er im Rah­men des Graduierten­kollegs »Euro­päische Traum­kulturen« an seiner Dissertation mit dem Arbeits­titel »Traumtheorien und Traumpoetiken der deutschen Romantik«. Seit Mai 2018 ist er im Rahmen einer Anschubfinanzierung wieder im Kolleg beschäftigt.


  • Heinrich von Kleist und Theodor Storm
  • Romantik als Epoche
  • Phänomene »Gewalt« und »Traum« aus kulturwissenschaftlicher Perspektive

 

 

Literatur- und Kulturgeschichte des Todes in Goethezeit und Realismus

 

Ziel des Projektes ist es, den Wandel von Todesvorstellungen in der Aufklärung, Romantik und Realismus zu untersuchen: Jahrhundertelang sind Sterben und Tod im europäischen Kulturkreis klar geregelt. Bis zur Reformation dominiert ein (katholisch-)christliches Weltbild, in dem Gläubigen die Erlösung und Sündern die gerechte Strafe bevorsteht. Neben einem Leben, das möglichst nach den entsprechenden religiösen Geboten ausgerichtet ist, stehen den Gläubigen Beichten, das Sterbesakrament und die Gebete der Hinterbliebenen als Hilfsmittel zur Verfügung und erlauben, zumindest einen gewissen Einfluss auf das Leben nach dem Tod zu nehmen. Idealerweise folgt auf den Tod die Wiederauferstehung im Reich Gottes; für diejenigen, die sich versündigt haben, bleibt immerhin noch die Buße im Fegefeuer und die Hoffnung, dort die irdische Schuld abtragen zu können. 

 

Bereits mit der Reformation und ihrer Kritik am Ablasshandel, spätestens aber mit der Aufklärung gerät diese Praxis ins Wanken. Mit der Krise des Christentums (insbesondere seiner katholischen Ausprägung) entsteht ein tiefgehender Zweifel, ob es eine Erlösung nach dem Tod geben kann, ob es überhaupt eine Existenz danach gibt. Diesen hat Heinrich von Kleist im Derwisch-Monolog im Prinz von Homburg (1811) treffend zum Ausdruck gebracht:

 

Das Leben nennt der Derwisch eine Reise,/ Und eine kurze. Freilich! […] Wer heut sein Haupt noch auf der Schulter trägt,/ Hängt es schon morgen zitternd auf den Leib,/ Und übermorgen liegts bei seiner Ferse./ Zwar, eine Sonne, sagt man, scheint dort auch,/ Und über buntre Felder noch als hier:/ Ich glaubs; nur schade, daß das Auge modert,/ Das diese Herrlichkeit erblicken soll.

 

Geäußert werden diese Worte vom Prinzen von Homburg, der sich mit der Gefahr eines bevorstehenden Todes, seiner Angst vor diesem und einem Ehrenkodex, der ihm diese Angst nicht erlaubt, konfrontiert sieht. Obwohl Kleist seiner Figur diese Zweifel in den Mund legt, hat er selbst Suizid begangen und schreibt in seinem Abschiedsbrief an die Schwester Ulrike von »unaussprechlicher Heiterkeit« und dass ihm »auf Erden nicht zu helfen« war.2 Hier zeigt sich eine deutliche Differenz zwischen den Zweifeln der literarischen Figur und ihrem Schöpfer, der, so stellen es zumindest die Briefe dar, ohne Angst in den Tod ging. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die literarische und die alltägliche Wahrnehmung des Todes auseinandergehen.

 

Im Rahmen des Projektes ist geplant, zuerst Textkorpora von wissenschaftlichen und literarischen Texten der Epochen Aufklärung, Romantik und Realismus zu erstellen und diese anschließend auf Basis eines wissenspoetischen Ansatzes auszuwerten. Ziel ist es, eine Poetik des Todes zu erarbeiten, sowie sich kritisch mit dem Topos auseinanderzusetzen, dass die Wissenschaft die Religion ersetzt hat.

 

1 Heinrich von Kleist. Sämtliche Werke und Briefe. Hg. V. Helmut Sembdner. 2 Bde. Bd.1 München 91993.

2 Ebd. Bd. 2, 887.

 
Dissertation

Traumtheorien und Traumpoetiken der deutschen Romantik. Dissertation. Würzburg: Königshausen & Neumann 2019 [im Druck].

 

Aufsätze
  • »A most strange and mysterious world« – dream theories in German Romantic Anthropology. (G.H. Schubert, I.P.V. Troxler and C.G. Carus). In: Bernard Dieterle, Manfred Engel (Hrsg): Theorizing the Dream. Savoir et théories du rêve. (Kulturwissenschaftliche Traumstudien, Bd. 2). Würzburg 2018, S. 233–247.
  • Naturpoesie vs. Kunstpoesie: Traumtheorie und Traumpoetik Friedrich von Hardenbergs (Novalis) (in Vorbereitung)

 

Herausgeberschaft

Grünbein, Durs: Das Reservoir der Träume, gefolgt von Die Massive des Schlafs. Luxembourg: Hydre Éditions 2017.

 

Rezension

Schlafes andere Brüder. Neues zum Schlafdiskurs. Rezension zu (1) Hannah Ahlheim (Hrsg.): Kontrollgewinn – Kontrollverlust. Zur Geschichte des Schlafes in der Moderne. Frankfurt/New York: Campus 2014; (2) Philipp Osten: Das Tor zur Seele. Schlaf, Somnambulismus und Hellsehen im frühen 19. Jahrhundert. Paderborn: Schöningh 2015. In: Kulturpoetik 16 (2016). S. 137–143.

Lexikonartikel

»Die Symbolik des Traumes« (Gotthilf Heinrich Schubert). In: Lexikon Traumkultur. Ein Wiki des Graduiertenkollegs »Europäische Traumkulturen«, 2015; http://traumkulturen.uni-saarland.de/Lexikon-Traumkultur/index.php?title=%22Die_Symbolik_des_Traumes%22_(Gotthilf_Heinrich_Schubert)

Februar 2017

Vortrag im Rahmen des 3. Workshops des Graduiertenkollegs »Europäische Traumkulturen« an der Universität des Saarlandes; Vortragstitel: »Traumtheorie und Traumpoetik E.T.A. Hoffmanns – ein Arbeitsbericht«

 
Oktober 2016

Vortrag im Rahmen der interdisziplinären Nachwuchstagung des Graduiertenkollegs »Europäische Traumkulturen« an der Universität des Saarlandes; Vortragstitel: »Die Traumpoetik Friedrich von Hardenbergs (Novalis)«

 

September 2016

Vortrag im Rahmen des 25. Deutschen Germanistentages in Bayreuth.

Vortragstitel: »[D]ie Zeit des eigentlichen Empfanges genialer Gedanken« – Erzählperspektiven und ihr Verhältnis zu Traumdarstellungen und Traumbewertung in E.T.A. Hoffmanns Roman Lebensansichten des Katers Murr.

 

September 2015

Vortrag auf dem Internationalen Symposium »Theorizing the Dream / Savoirs et théories du rêve« des ICLA Research Committee »Dream Cultures« an der Université de Haute-Alsace, Mulhouse.

Vortragstitel: »A most strange and mysterious world« – dream theories in German Romantic Anthropology (G.H. Schubert and C.G. Carus).

 
Marcel Beyer

Vortrag »Schreiben im Traum«

Lesung aus dem neu erschienenen Buch »Das blindgeweinte Jahrhundert«

 

4.10.2017 | 20 Uhr | Künstlerhaus Saarbrücken

 

 
Durs Grünbein

Vortrag »Über das Träumen«

Lesung aus dem neu erschienenen Buch »Die Jahre im Zoo«  

 

2.3.2016 | 20 Uhr | Künstlerhaus Saarbrücken

In Zusammenarbeit mit den Doktoranden Murat Ates, Katina Baharova und Moritz Klein.

 

 

Mitarbeit am Traumkultur-Lexikon des Graduiertenkollegs »Europäische Traumkulturen«

Oktober 2016
  • Forschungsaufenthalt im DFG-Graduiertenkolleg »Modell Romantik« an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (19-22.10.2016).