Till Speicher

ASSOZIIERTER DOKTORAND

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Till Speicher studierte an der Universität des Saarlandes Deutsch, Geschichte und Physik. Er schloss sein Studium 2018 erfolgreich mit dem Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen ab. Während seines Studiums wurde Till Speicher für ein Jahr mit einem Saarlandstipendium von der StudienStiftungSaar gefördert, ehe er dort zwischen 2015 und 2017 als studentische Hilfskraft arbeitete.
Zwischen 2019 und 2021 arbeitete Till Speicher im Personalmanagement der SHG Kliniken Sonnenberg und begann 2020 berufsbegleitend mit literaturwissenschaftlichen Forschungen über das Thema Depressionen in der Literatur der Spätmoderne.


Seit April 2021 ist Till Speicher assoziierter Doktorand im Graduiertenkolleg “Europäische Traumkulturen” mit einem Promotionsprojekt zum Thema Depressionen narrativ darstellen: Die Rolle des Traums.

  • Literaturtheoretisch Interessensgebiete: Narratologie, Dekonstrukion und Diskursanalyse
  • Literatur zu den Themen Migration, Flucht und Exil
  • Poetiken der Gleichgültigkeit, des Scheiterns, des Depressiven und des Traumas in der Spätmoderne
  • Literatur der Romantik (mit Schwerpunkt auf E.T.A. Hoffmann)
  • Raum- und Zeitkonzeptionen in fiktionalen Darstellungen
  • Poetik Franz Kafkas
  • Das poetische Potential von Traumdarstellungen in Literatur und Film

 

Depressionen narrativ darstellen: Die Rolle des Traums

Mit dem Depressionsbegriff verbinden die Geisteswissenschaften gegenwärtig einen »ästhetisch entfärbten Zusammenbruch und solipsistischen Zustand« (Huber und Nover), den sie von der ästhetisch produktiveren Melancholiebegriff dezidiert abgrenzen. Angesichts der globalen und zugleich rätselhaft anmutenden Verbreitung von Depressionen in der Spätmoderne verweist die Soziologie nicht zuletzt auf die omnipräsente Erwartungshaltung, das Leben selbstbestimmt gestalten zu müssen (Ehrenberg 1998). Angesichts der komplexen Herausforderung, der subjektiven Weltwahrnehmung depressiver Figuren mit fiktionalen Mitteln narrativ Ausdruck zu verleihen, fällt auf, dass Träume vielfältige Funktionen einnehmen können. Die spezifische Eigenschaft des Traums, als »selbsterzeugtes Privateigentum« (Berger 2000) das Innere des träumenden Individuums intradiegetisch in dessen Privatsphäre belassen zu können, während auf der extradiegetischen Ebene die Vereinzelung des eigenen Ichs der Figur reflektiert werden kann, indiziert seine Attraktivität für Narrationsstrategien zum Thema Depression. Potenziale von Träumen könnten zum Beispiel darin liegen,

 

  1. in Geschichten rund um depressive Figuren trotz äußerlicher Handlungsarmut Spannungsgefüge zu erzeugen, indem die nach innen gerichtete Wahrnehmung der Figur sichtbar gemacht wird;

  2. das für die betroffene Figur Unsagbare und Rätselhafte ihres seelischen Leidens narrativ zu überbrücken;

  3. oder auch das Ringen um Sinn und Selbstachtung auf komplexe Art und Weise zum Ausdruck zu bringen.

 

Neben einem vermehrten Auftauchen von Albträumen lassen sich auch hochgradig ästhetisierte Traumdarstellungen ausfindig machen, wenn es um die Inszenierung der subjektiven Weltwahrnehmung depressiver Figuren geht. Das Spektrum beinhaltet:

 

  • eskapistische Träume (z. B. in Karl Ove Knausgards Aus der Welt (1998 [2020]),

  • Metaträume (z. B. in Sylvia Plaths Erzählsammlung Die Bibel der Träume (1962-1963 [2012]),

  • Traumhaftes Erzählen und Metamorphosen in Han Kangs Die Vegetarierin,

  • Träume »als zentrales Reflexions- und Erkenntnismedium« (Mevissen 2018) in Christa Wolfs Stadt der Engel (2010),

  • apokalyptische Traumszenarien (z. B. in Lars von Triers Film Melancholia (2011) oder Jonas Lüschers Kraft (2017)).

 

Auch der Außenblick aus der Sicht von nahen Familienangehörigen auf depressive Figuren – vor allem in filmischen Traumdarstellungen (z. B. in Carlos Sauras Züchte Raben (1976) oder in Martin Scorseses Shutter Island (2009)) –  zeigt ein weiteres Erzählpotential von Träumen auf. Darüber hinaus realisiert Terézia Moras Roman Das Ungeheuer eine Poetisierung von Depressionen auf der Basis fragmentarischen Erzählens durch fiktive Tagebuchdateien und Traumnotate einer depressiven Ich-Erzählerin, nachdem diese Suizid begangen hat. Diese Selbstzeugnisse werden im ästhetisch exponierten Romansubtext präsentiert, der graphisch durch eine horizontale Linie vom Haupterzählstrang abgegrenzt ist.

Staatsexamensarbeit: Raum- und Zeitstrukturen in der frühen periodischen Presse (des Jahres 1609)

2022

Einladung zum 27. Germanistentag 2022 an der Universität Paderborn unter dem Thema „Mehrdeutigkeiten“. Geplanter Vortragstitel: Die Großstadt flanierend erfahren und erzählen? Collagierte Diskurse in Döblins „Berlin Alexanderplatz“ im Zuge des Doppelpanels Der Traum vom anderen Ich – Mehrdeutigkeiten in Berlin Alexanderplatz von Döblins Roman (1929) bis zum Film (2020): Trauma, Migration, Transgression


Mitbetreuung des Traumlexikons des Graduiertenkollegs Europäische Traumkulturen

 

Mitglied beim Deutschen Germanistenverband