Alice Bleistein

DOKTORANDIN

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Alice Bleistein wurde 1994 in Aschaffenburg geboren und studierte von 2014 bis 2021 im Zwei-Fach-Bachelor und -Master Medienwissenschaften und Deutschsprachige Literaturen an der Universität Paderborn. Ihren Master schloss sie mit einer Arbeit zum Thema „Totentanz der Risikokandidatinnen – Ulrich Seidls Paradies-Trilogie zwischen Kontrolle und Erlebnis“ ab.

 

Seit April 2021 ist Alice Bleistein Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Graduiertenkolleg »Europäische Traumkulturen« und beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit dem Horror-Traum im zeitgenössischen europäischen Kino.

 

 

 

 

  • Filmtheorie und -ästhetik
  • Traumästhetik
  • Europäischer Autor*innenfilm
  • Politik- und Sozialtheorie der Gegenwart (Deleuze, Butler, Lorey)
  • Gender- und Queer Studies

 

 

Prekäres Begehren – Topografien des Horror-Traums im zeitgenössischen europäischen

 

Erinnern wir uns an Träume, so rekapitulieren wir ein Erleben, das unser Verständnis von Wirklichkeit und Wahrnehmungssicherheit in Frage stellt. Traum-Erinnern kann so als eine Form der Krisenerfahrung bezeichnet werden, die sowohl produktiv als auch destabilisierend wirken kann. Der Albtraum, der in meinem Dissertationsprojekt in seiner filmischen Verarbeitung untersucht wird, unterliegt in den meisten Fällen einer destabilisierenden Deutung. So konfrontiert er als Erfahrungsort des Unheimlichen, des Verlusts, der Angst und des verdrängten Begehrens sowohl die Figuren als auch die Rezipient*innen mit der Begrenztheit der (Selbst-)Kontrolle und letztlich mit der Verletzlichkeit eines Jeden. Albträume erzählen also von Vulnerabilität oder mit Judith Butler gesprochen, von "genuinem Prekär-Sein".  

Im Medium Film erfährt das Erinnern an den Albtraum nun eine spezifische Ästhetisierung in Form des Horror-Traums. In ihm kulminiert die onirische Struktur des Mediums mit ästhetisch codierten Traum-Erzählungen, die die künstlerische Auseinandersetzung mit diversen Facetten des, als bedrohlich empfundenen, Kontrollverlusts zum Inhalt haben. Der Horror-Traum — sowohl als "anderer Raum" im Film, als auch unmarkiert über die onirische Medienstruktur in Kombination mit ästhetischen Horror-Narrativen mitlaufend — ist somit eine besondere Albtraum-Darstellung. Durch seine Rezeption werden wir Zeug*innen einer intermedialen Kernfusion von verunsichernden Medialitäten (Traum, Film und Horror), die in ihrer Kulmination grundlegende Vorstellungen von Macht und Ohnmacht diskutieren. 

Im Rahmen meines Dissertationsprojekts beschäftige ich mich nun mit eben jenen Erzählungen des Horror-Traums über das genuin Prekär-Sein sowie mit differenten Formen der im Horror-Traum verhandelten Prekarität im zeitgenössischen europäischen Kontext. So gehe ich in meiner Arbeit von der These aus, dass sowohl die ästhetischen Darstellungsstrategien als auch der Inhalt von Horror-Träumen eng mit spezifischen, zeitaktuellen Machtdiskursen verknüpft sind. Unter Berufung auf Gilles Deleuzes, Judith Butlers und Isabell Loreys Arbeiten zu gegenwärtigen Regierungstechniken der (kontrollierten) Verunsicherung, soll der Versuch unternommen werden, dem filmischen Erzählen von Horror-Träumen in seiner besonderen Zeitzeugenschaft näher zu kommen. Ausgehend von der an Butler und Lorey angelehnten These, dass das Erleben des Unsicheren zunehmend zur Normalität wird, — das Prekäre zum Alltag — liegt der Fokus meiner Analysen auf filmischen Erzählungen, in die sich der Horror-Traum in das Alltägliche eingeschrieben hat.

Das Ziel meiner Arbeit besteht also in der Untersuchung gegenwärtiger Ästhetiken des Horror-Traums, die, interferierend mit soziopolitischen Diskursen der Verunsicherung und mit dem "unsicheren" Medium Film, auf eine besondere zeitgenössische Albtraum-Poetik verweisen — auf die des prekären Horror-Traum-Alltags.