Natascha Denner

DOKTORANDIN

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Natascha Denner wurde in Tomsk (Russland) geboren. 2005 absolvierte sie das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität des Saarlandes und Zaragoza und schloss 2020 das Masterstudium der Komparatistik und Germanistik an der Universität des Saarlandes mit einer Arbeit zum echatologischen Konzept in Ingeborg Bachmanns Höllentraum ab. 2019 erschien ihr Buch „Schau Schneee“ mit Lyrik und lyrischer Prosa in der Topicana-Reihe des Saarländischen Künstlerhauses.

 

Seit April 2021 ist sie Doktorandin im Graduiertenkolleg "Europäische Traumkulturen" und arbeitet an einer Dissertation zum Thema "Rekonstruktion und Rezeption der Traumerfahrung bei Andrej Tarkovskij".

 

  • Rezeptionsästhetik
  • Filmsemiotik
  • Interaktion zwischen Traum und Erinnerung in ästhetischen Traumentwürfen

 

 

Rekonstruktion und Rezeption der Traumerfahrung bei Andrej Tarkovskij

 

„Wenn der Film nicht Dokument ist, ist er Traum. Darum ist Tarkovskij der Größte von allen. Er bewegt sich im Raum der Träume mit schlafwandlerischer Sicherheit“ (Bergman, 2018) schreibt Ingmar Bergman. Andrej Tarkovskij selbst erläutert in seinen Vorträgen zur Filmregie, die inneren Regungen des Menschen seien als „jedweilige Art von Traumschau, die des Nachts und die des Tages“ (Tarkovskij, 1990) auf die Leinwand zu transportieren. Der Traum wird in Tarkovskijs Filmen zu einem Bewusstseinsvorgang, der die Erinnerungen und Traumata in einer Verschränkung zwischen autobiografischen und kollektiven Erfahrungen vergegenwärtigt und dem Wachleben seine luzide Logik überstülpt. Die Übergänge zwischen dem Wachleben, den Erinnerungen und Träumen bleiben dabei fließend. Einer der absurden Änderungsvorschläge der sowjetischen Zensurbehörde für Zerkalo (dt. Der Spiegel) lautete: „Die Abteilung empfiehlt eine klare Abgrenzung der drei Ebenen des Films – zeitgenössische Gegenwart, Erinnerungen, Träume“ (Tarkowskij, 1993).

In Die versiegelte Zeit spricht Tarkovskij vom „verhängnisvoll bindenden Gefühl der Abhängigkeit von der eigenen Vergangenheit“ (Tarkowskij, 2011) oder von der Projektion des eigenen Schicksals auf die Leinwand. Wegen dieser radikalen Anlehnung an die eigene Biografie konfrontierte ihn die offizielle sowjetische Kritik mit den Vorwürfen einer ‚freudianischen Nabelschau‘ (Turowskaja, 1981). Der radikale Versuch der Authentizität, mit der Tarkovskij die eigenen Erinnerungen in Träumen inszeniert, verbleibt aber nicht im privaten Raum einer subjektiven Autorenbiografie, sondern projiziert die kollektiven Erfahrungen und Traumata einer Kriegskindheit, des Lebens unter den totalitären Bedingungen in einer Diktatur oder der Flucht sowie Migration auf die Leinwand, die im Rezeptionsprozess abgerufen werden. Henrieke Stahl weist auf Tarkovskijs Intention hin, die Erinnerung „durch Korrespondenzen mit den persönlichen Erinnerungen des Rezipienten zu beleben“ (Stahl-Schwaetzer, 1990).

Aus dieser Interaktion zwischen dem autobiografischen Kontext des Regisseurs und seiner Widerspiegelung im Erfahrungsraum des Rezipienten möchte ich untersuchen, wie das autofiktionale Material im Produktionsprozess ästhetisch kodiert wird und wie seine Dekodierung in der Rezeption abläuft. Als theoretisches Analyseraster sind autofiktionale und rezeptionsästhetische Ansätze miteinander zu kombinieren, wobei neben der Genese der autobiografischen Inhalte in der filmischen Rekonstruktion von  Traumerfahrung, die rezeptiven Bedingungen zu berücksichtigen sind, wie und inwiefern diese von zeitlichen und kulturellen Erfahrungshorizonten der Zuschauer geprägt sind.

  • Arbeitsstipendium: Schreibresidenz Printemps Poétique Transfrontalier in Dudelange (Luxemburg) Februar/März 2017
  • ehrenamtliche Tätigkeit in der Redaktion der saarländischen Literaturzeitschrift „Streckenlæufer“
  • Jurorin beim SchülerschreibwettbewerbWortsegel“ in Tholey
  • Mitglied des Saarländischen Künstlerhauses e.V und Schriftstellerverbandes Saar