Jasna Pape

DOKTORANDIN

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Jasna Pape hat 2014 eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin (Englisch, Französisch und Spanisch) abgeschlossen. Bis 2018 studierte sie an der Universität des Saarlandes Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und English: Linguistics, Literatures, and Cultures im Nebenfach, wobei sie ein Praktikum in einem Verlag in Sydney absolvierte. Von 2018 bis 2020 schloss sie das Masterstudium der Komparatistik mit dem Nebenfach American Studies/British Studies/English Linguistics an und arbeitete als Hilfskraft im Graduiertenkolleg »Europäische Traumkulturen«.

 

Seit 2021 ist sie Doktorandin im Graduiertenkolleg und arbeitet an einem Promotionsprojekt zu den politischen Dimensionen von Traumdarstellungen in dystopischen Romanen.

 

  • Utopieforschung
  • Gegenwartsliteratur
  • Intertextualität
  • Politische & gesellschaftskritische Potenziale des Traums

 

 

Politischen Dimensionen von Traumdarstellungen in dystopischen Romanen

 

Dystopien haben eine besondere Affinität zum Albtraumhaften, die auch in der Forschung immer wieder hervorgehoben wird. Diese naheliegende Assoziation scheint sich zunächst auf die erzählte Welt als Ganzes zu beziehen, die den Leser*innen wie ein schlechter Traum erscheinen mag, doch bei einem genaueren Blick wird deutlich, dass auffällig viele Figuren in dystopischen Romanen träumen und dass ihre Träume vielfach als politische Akte lesbar werden.

Beispiele für das politische Potenzial der Träume finden sich in wichtigen Texten des dystopischen Kanons: In Nineteen Eighty-Four ist der Traum der einzige Ort, der sich vermeintlich der staatlichen Kontrolle entzieht und so einen Raum für politischen Widerstand eröffnet. In Brave New World hingegen werden Kleinkinder mithilfe von Freuds Thesen und der Hypnopädie konditioniert, in sozialen Klassen zu funktionieren. An dieser Stelle könnte noch auf viele weitere Traumdarstellungen verwiesen werden, in denen sich die private und die öffentliche Sphäre zu kreuzen scheinen. Im vorliegenden Projekt wird der Traum daher als ein Grenzfall verstanden, in dem sich ein gesellschaftskritisches und politisches Potenzial entfaltet, das insbesondere dort unumgänglich scheint, wo politische Systeme widerständige Stimmen zu unterdrücken suchen. Wie diese Möglichkeiten literarisch inszeniert werden, lässt sich dabei besonders gut anhand von Dystopien untersuchen, die die Konflikte zwischen privater und öffentlicher Sphäre auf die Spitze treiben. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk darauf, wie Träume die politische Wachwirklichkeit spiegeln und verarbeiten und inwiefern sie als innerer Widerstand lesbar werden. Da die Dystopie aber ein äußerst hybrides Genre ist, das die Möglichkeiten phantastischen Erzählens und der Science-Fiction miteinschließt, spielen auch die Vereinnahmung oder Manipulation der Träume zur Aufrechterhaltung politischer Macht eine Rolle.

Im theoretischen Teil der Arbeit wird untersucht, inwiefern der Traum Teil politischer Subjektivität sein kann; dabei werden sowohl Ansätze aus Traum- und Politiktheorie verbunden als auch Arbeiten besprochen, die beides bereits zusammendenken (u.a. Sliwinskis Dreaming in Dark Times, 2017). Außerdem wird eine Brücke zur Phantastik- und Science-Fiction-Forschung geschlagen, um auch die damit verbundenen Möglichkeiten auf ihre politische und gesellschaftskritische Bedeutung hin befragen zu können. In einem weiteren Teil wird eine Literaturgeschichte des Traums in der Dystopie skizziert, die kanonische und weniger bekannte Romane aus verschiedenen Sprach- und Kulturräumen vereint, wobei schlaglichtartig aufgezeigt wird, welche politische Relevanz die Träume vor dem Hintergrund des jeweiligen Gesamttexts haben. Der letzte Teil des Projekts beschäftigt sich mit der eingehenden Analyse und dem Vergleich des engeren Textkorpus, zu dem u.a. Angela Carters The Infernal Desire Machines of Doctor Hoffman (1972) und Sebastian Guhrs Die Verbesserung unserer Träume (2017) zählen.